Zu den Formen

Über die Jahre galt meine Aufmerksamkeit im Spektrum der freien Keramik der Umsetzung von Bau-Körpern nach einem zeichnerischen Entwurf.
Entlang  limitierender Faktoren, d.h. materialbedingter Grenzen von Ton und dem Volumen von Brennkammern, entwickelten sich meine „Architekturen in Ton“. Wechselnde Tonsorten und deren Farben, ein reduzierter Umgang mit der Oberfläche, unterschiedliche Aufbautechniken und die zeitweise Einbeziehung von Glasscheiben machen mein Interesse an den zahlreichen und verführerischen Möglichkeiten ablesbar, die es trotz der genannten Grenzen gibt.
Der umbaute Raum, die Lichtführung, das Verhältnis von Öffnung und Abschottung als architekturnahe Parameter auf der einen Seite, das Spannungsfeld zwischen dem Thema Baukörper und Gefäß auf der anderen Seite werden von mir ausgelotet.
Dem Spielerischen gebe ich gegenüber einer dogmatischen Strategie den Vorzug.
Es entstehen auf diese Weise Variationen, die ich dann gerne als Gruppen zeige.
Dass nach dem Brand einer aus Ton aufgebauten Form das Resultat stets eine Einheit ist, ohne Fugen, ohne Mörtel oder Kleber, gesintert und stabil, stellt für mich einen nicht unerheblichen Reiz dar.
Der Verwandlungsprozess vom plastischen Ton, der alle Informationen speichert, die ich ihm gebe, hin zum dauerhaften Zeugnis schöpferischer Kraft, bleibt faszinierend und schön.

© Sibylle Ritter 2019

1963 in Lindau am Bodensee geboren.
Nach dem Abitur in Friedrichshafen besuchte ich von 1982 bis 1983 die Freie Kunstschule in Stuttgart. Anschließend  studierte ich bei Prof. Uli Günther und Guiseppe Spagnulo „Freie und Angewandte Keramik“ an der Staatliche Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Seitdem arbeite ich freischaffend im Bereich der bildenden Kunst.
Seit 2002 lebe ich auf der Schwäbischen Alb und in Stuttgart.
Das Schloss Hettingen im Landkreis Sigmaringen zeigt eine ständige Ausstellung der keramischen Arbeiten.

www.sibylle-ritter.de
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